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 HÖR- und SCHAUbühne

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Der Gesang vom glücklichen Leben



Geschichte einer hautengen Liebe
Während sich der Zuschauerraum langsam füllt, blättert eine Frau auf der Bühne selbstversunken in ihren Aufzeichnungen. Der Erdhaufen zu ihren Füßen scheint sie nicht zu stören. Die Premiere des Stücks „Der Gesang vom glücklichen Leben“, das die Stuttgarter Hör- und Schau-bühne als Koproduktion mit der Dieselstraße frei nach Per Olov Enquists Roman „Gestürzter Engel“ inszeniert hat, beginnt rätselhaft.Enquist erzählt in seinem Buch von drei symbiotischen Beziehungen. Darunter
ist die Geschichte von Pasqual Pinon, aus dessen Kopf ein zweiter hervorwächst, dem er den Namen Maria gibt. Maria äußert sich über den Gesang, doch ihre Worte bleiben unübersetzt. Pasqual nennt sie seine Frau.

Die verstörende Geschichte dieser im wahrsten Sinne des Wortes hautengen Liebe verliert ihren seltsamen Charakter auch auf der Bühne nicht. Doch die einsame Biographin (Suzan Smadi), die sich auf die Spur des verwachsenen Ehepaars macht, nimmt das Publikum mit auf eine poetische Reise, die nichts mehr und nichts weniger ist, als eine Reise zu sich selbst. Die Geschichte generiert ihre Wirklichkeit aus Träumen. Wie eine Archäologin gräbt die Biographin den Erdhaufen um, unter-sucht ihn penibel und findet ein pulsierendes Etwas, der Beginn des Lebens in teigartigem Lehm. In Masken und Händen, deren Präsenz
das Stück auf der Grenze zum Figurentheater changieren lässt, werden Pinon und Maria lebendig. Wenn sich das Maskenhandwesen fötusartig im Aquarium räkelt, geht das beim puren Anblick unter die Haut. Wie ein Mond steht die Maske am Himmel, wächst der Biografin aus dem Arm und dem Kopf.

Die Requisiten entwickeln dabei eine Eigendynamik. Der Tisch, das Leiterregal, eine Topfpflanze, ein Aquarium und jede Menge Kunst-stoffschüsseln sind Kernstücke aus Pinons und Marias Mikrokosmos. Dabei bleibt Raum für die eigene Imagination, Leerräume werden bewusst stehen gelassen und öffnen sich für das Zwischenreich der Poesie. Die Biografin erzählt, wie das seltsame Paar in Mexiko in einem Bergwerk gefunden wird, ein Monster, das als Kind des Teufels vor Unglücken schützen soll. Im wirklichen Leben angekommen, werden
die beiden im Zirkus zur Schau gestellt. Ein Zirkuszelt en Miniature zeigt sich erfüllt von blauem Himmel und weißen Wolken und wird dabei zum Bild vom kleinen Glück auf Erden. Doch dann will Pinon die Freiheit auskosten und wagt einen Seitensprung. Was nach dem Ende des Stücks bleibt, ist Mitgefühl mit dem seltsamen Paar und Enquists Frage nach den Monstern. Wenn sie nicht abgeschafft sind, stecken sie wo-möglich in uns selbst.

Sensibel hat die Hör- und Schaubühne diese anspruchsvolle Ge-schichte umgesetzt. Suzan Smadi geht als Biografin in ihrer Rolle
auf. Als Regisseurin hatte Johanna Pätzold die vielen Fäden des viel-schichtigen Stückes in der Hand. Ein besonderes Lob gilt der Aus-statterin Lena Kießling für die poetische Mehrdeutigkeit der Requisiten.

Eßlinger Zeitung
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